Normalerweise fahre ich ja zu allen Auftritten mit der Bahn. Das hat (neben ökologischen Gründen) den Vorteil, dass man auch bei Verspätungen die Zeit sinnvoll mit schlafen, arbeiten oder lesen nutzen kann. Und dann trotz allem einigermaßen ausgeruht am Zielort ankommt. Zur Premiere vom „Ja!“ Programm musste ich allerdings mit dem (geliehenen) Auto nach Röbel. Das liegt an der Müritz, mitten im Osten, kein Bahnhof weit und breit. Und mein E-Piano musste auch mit, weil das Klavier im Haus des Gastes nicht gestimmt war. Unterwegs lauschte ich dem Verkehrsfunk und amüsierte mich köstlich über all die Lemminge, die sich übers lange Wochenende (3. Oktober) auf die Autobahn stürzen – um dann in den diversen Staus Richtung Norden zu stehen. Doch kurz vor Röbel, auf der A19, nur noch 15 Minuten zu fahren, ging plötzlich nichts mehr. 2 Stunden für 5 Kilometer. Vollsperrung, weil ein LKW-Fahrer an einer Baustelle ungebremst aufs Stauende draufgefahren ist. Zum Glück war ich gut in der Zeit, so dass ich um 1/4 nach 6 in Röbel ankam und, hetz, hetz, es noch rechtzeitig schaffte, Aufbau und Soundcheck zu machen.

Das erste Mal „Ja!“ vor zahlenden Zuschauern war jedenfalls toll. Die Leute sind voll mitgegangen, obwohl sich das im Osten manchmal gar nicht so einfach gestaltet. Der kulturelle Background ist doch immer noch erkennbar anders. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass zum Beispiel die Mitmachanimationen dort oft nicht so richtig enthusiastisch aufgenommen werden. Sind die einfach nicht so gewohnt. Und Michael Jacksons „Earth Song“, den im Westen die meisten gleich an den ersten Akkorden erkennen, war am Samstag einem großen Teil des Publikums völlig unbekannt. Auch muss ich mir merken: Die Frage, wer als Kind Matchbox-Fußgänger (anstelle von Autos) hatte, erübrigt sich bei Ost-Publikum im Alter von Ü25. In der DDR gab´s ja höchstens den Trabbi als Plaste und Elaste Spielzeug aus Schkopau.

Aber das Programm hat TROTZDEM super funktioniert. Und das zeigt mir, dass sich die Mühe, die ich mir damit gemacht habe, scheinbar gelohnt hat. Nur die Mehlwürmer, die fanden dann doch nicht so viel Gegenliebe…