Als ich gestern das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft am Fernseher verfolgte, kam mir das WM-Finale 1986 in den Sinn. Deutschland lag Mitte der zweiten Halbzeit 2:0 hinten. Eine Rumpelmannschaft, fußballerisch vielen Teams dieser Welt unterlegen. Aber dann ging ein Ruck durch die Equipe. Alle fighteten in der Bruthitze des Aztekenstadions, rannten, als ginge es um ihr Leben - und erzielten kurz vor Schluss den Ausgleich. Die Einstellung, die dahinter steckte, ist mir unvergesslich. „WIR WOLLEN DAS!“ - auch wenn die Fähigkeiten jedes Einzelnen limitiert sind.
Ich fände es ja großartig, wenn nach dem letzten Rekord-Hitzewochenende so ein Ruck auch durch unsere Gesellschaft ginge. Eine lebensfreundliche Umwelt? Eine zukunftstaugliche Gesellschaft? Ein gutes Miteinander? WIR WOLLEN DAS! Die Regierung wäre ein Bundestrainer mit Plan, der zur richtigen Zeit die richtigen Spieler bringt. Und wir alle würden loslaufen, bis wir knallrote Köpfe kriegen.
Selbst wenn dann, wie damals, in der 85sten Minute, ein Burruchaga käme, der das 3:2 für Argentinien erzielt - wir könnten zumindest sagen: Wir haben das uns menschenmöglichste getan. Und Geschichte wiederholt sich ja nicht. Vielleicht passt unsere Verteidigung dann besser auf und wir drehen das Spiel tatsächlich noch.

