Wer, wenn nicht ich, ist dafür prädestiniert, in diesen Zeiten auch mal auf das Positive hinzuweisen, das sich gerade als Nebeneffekt der Corona-Krise ergibt? Was sie uns bisher an Gutem gebracht hat:

  1. Lebenswerte Städte:
    Kaum Lärm, kaum Gestank – und wegen der Abstandsregel weichen Fußgänger und Jogger vom extrem knapp bemessenen Bürgersteig an der Außenalster einfach auf die Straße aus. Wenn jetzt noch Kultur, Einkaufsmöglichkeiten und Begegnungen mit den liebsten Mitmenschen dazu kämen, wären Städte ja beinahe unerträglich attraktiv…
  1. Unfassbare Aha-Erlebnisse für Viele:
    Wer hätte gedacht, dass Joggen, auch ohne Laufband und stickiges Fitnessstudio, an der frischen Luft funktioniert?
  1. Weniger Unwohlsein durch Abstandsregeln:
    Keine Wahrnehmung der Knoblauch-, Alkohol- und Kalter-Tabak-Fahnen anderer mehr, hurra!
  1. Gelassenheit:
    Besitzer der von mir schon seit längerem empfohlenen Hygienebrause (als Alternative zum umweltschädlichen Klopapier) können jeder Krise und einhergehenden Hamsterkäufen äußerst entspannt entgegenblicken.
  1. Fast eingestellter Flugverkehr:
    Meine Frau und ich haben am Wochenende eine Radtour gemacht, die uns am Flughafen Fuhlsbüttel entlang führte. Wir haben in 30 Minuten genau EIN Flugzeug landen sehen. Die Anwohner in der Gegend verzeichnen gerade rasante Preissteigerungen ihrer Immobilien – und die dortigen Apotheken eingebrochene Verkaufszahlen bei Schlafmitteln.
  1. Grundlegende Erkenntnisse:
    Zum Beispiel, dass Politik durchaus handlungsfähig ist, wenn sie den Ernst der Lage wirklich erkannt hat. Menschenleben sind offenbar doch wichtiger als Wirtschaftswachstum – solange es nicht um Tempolimits, billigst hergestellte Klamotten und Tabakwerbung geht.
  1. Tiefgreifende Einsichten:
    Es braucht einen funktionierenden Staat (und eigentlich auch eine funktionierende Staatengemeinschaft), um große Krisen bewältigen zu können. Das bitte einmal groß hinter die Ohren schreiben, Herr Lindner!
  1. Solidarität ist möglich:
    Wenn das Leben der Alten und Immunschwachen (und vielleicht auch unser eigenes) gefährdet ist, sind wir durchaus bereit, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Wie wäre es mal mit dauerhaften Verhaltensänderungen, die auch das Leben zukünftiger Generationen ermöglichen?
  1. Verbote sind okay:
    Wenn sich Menschen nicht vernünftig verhalten und somit das Leben anderer gefährden, darf man offenbar durchaus Verbote erlassen und Zuwiderhandlungen teuer bestrafen. Da fielen mir noch ein paar andere Bereiche ein, wo diese Erkenntnis umgesetzt werden könnte (siehe auch Punkt sechs).
  1. Klimaschutz:
    Wahrscheinlich hat Corona in Sachen Reduktion von Treibhausgasen mehr bewirkt, als die letzten 20 Klimakonferenzen zusammengenommen.

Eigentlich erstaunlich, dass eine Spezies, die sich selbst “Homo Sapiens” (verstehender/verständiger Mensch) nennt, scheinbar erst eine große Krise durchmachen muss, damit solche guten Nachrichten verkündet werden können. Und leider ist gewisser Zweifel angebracht, ob das auch über die Krise hinaus zu nachhaltigen Konsequenzen führt.