Am Samstag Abend hatte ich so ziemlich die kürzeste Anfahrt ever zu einem Aufttritt: 3 Minuten mit dem Fahrrad! Ganz bei mir um die Ecke liegt die „BURG“, eine sehr schöne Bühne im ehemaligen Gemeindesaal einer einstmals evangelischen Kirche (die aber aus Kostengründen aufgegeben wurde). Dort fand die „Comedydusche“ statt. Eine sehr schön organisierte Veranstaltung. Der Saal war auch gut gefüllt und ich schoss mit „DIe Echokammer“ eine Nummer ab, die in meinem Programm eigentlich immer wunderbar funktioniert. 10 Minuten hohe Gagdichte plus leicht verdauliches Lied mit Mitmachaktion.

Aber, ohne werten zu wollen, es gibt nicht umsonst eine Unterscheidung zwischen Kabarett und Comedy. Witze über unsere Fleischesser-Gewohnheiten, die Erderwärmung, die AfD und warum wir eigentlich nur hören wollen, was in unsere Weltbild passt? Sind jetzt nicht unbedingt das, wofür Comedypublikum in die Veranstaltungen geht. Ich dachte, ich hätte das Thema schon möglichst locker verpackt, um Berührungsängste zu nehmen. Aber bei den Gags, die sonst immer für richtig viel Gelächter sorgen – Stille im Saal.

Klar, das Publikum war noch nicht warm am Anfang, an den ich gesetzt wurde. Aber hätte die Nummer sonst besser funktioniert? Steht Kabarett bei solchen Veranstaltungen prinzipiell auf verlorenem Posten? Ist mir ja auch mit dem Weltretterprogramm aufgefallen: Richtig abgefeiert haben es besonders die Leute, die das Thema Umweltschutz eh schon auf der eigenen Agenda haben. Gibt es einen Weg, diese Gesinnungsblase zu überwinden? Inhalte so rüberzubringen, dass sie auch von Leuten aufgenommen werden, die davon eigentlich gar nichts hören wollen – und damit vielleicht den einen oder anderen vielleicht zum Nachdenken anzuregen?

Ganz schnell landet man da ja in der Ecke, anmaßend und missionarisch zu sein. Und vielleicht sind Shows, bei denen die Leute einfach nur etwas Quatsch hören wollen, ja tatsächlich auch der falsche Ort für Inhalte. Ich will ja auch im Café keine Unterhosen verkauft bekommen. Andererseits: Tschibo hat die Kombination ganz gut hingekriegt. Insofern reizt mich die Herausforderung doch noch ein bisschen…