Die Kultur-Initiative Hardegesen hatte mich eingeladen, am Samstag im großen Saal der Burg Hardegsen (bei Northeim/Göttingen) zu spielen. Die Anreise gestaltete sich mal wieder etwas komplizierter, nachdem es im Hamburger Hauptbahnhof noch hieß, mein Zug hätte 15 Minuten Verspätung – und plötzlich fiel er dann einfach aus. Krass. Ich kann mich die letzten Monate an keine Reise mit der Bahn erinnern, wo nicht auf Hin- oder Rückfahrt irgendwas schief gelaufen wäre. Also, die Berichte über den desolaten Zustand der DB sind ausnahmsweise mal keine Sensationsübertreibung der Presse. Aber wie soll es auch anders sein, wenn seit Ewigkeiten die Oberautolobbyisten das Verkehrsministerium gekapert haben? So kam ich dann, auf anderer Route, genau 57 Minuten später als geplant in Hardegsen an – und ab einer Stunde gibt es von der Bahn Geld zurück. Absurd, dass man sich als Reisender dann tatsächlich noch ein kleines bisschen mehr Verspätung wünscht…

Um 20.00 Uhr ging es los. Aber: Der Funke wollte irgendwie nicht wie gewohnt überspringen. So was kommt manchmal vor, wird aber in den eigenen Konzertberichten gern verschwiegen. Gehört allerdings auch zum Künstlerleben dazu. Lag es dran, dass trotz guten Besuchs die Leute im großen Saal nicht dicht beieinander saßen? Ist der Abstand zwischen den einzelnen Grüppchen zu groß, entwickelt sich oft nicht die gleiche Dynamik, wie wenn alle eng auf einem Haufen sitzen. Oder daran (wie der Veranstalter mutmaßte), dass sie sich am Anfang ein bisschen von meinem Tempo und meiner Energie überfahren fühlten? Offensichtlich hatten auch nicht genug Zuschauer Lust auf Interaktion – und in solchen Fällen verstummen dann leider meist auch die, die eigentlich gern mitmachen würden. Wie es auch sei: Selbst bei den sonst absoluten Knallern der ersten Hälfte hielt sich das Publikum irgendwie in der Reaktion zurück.

Die zweite Hälfte lief besser und das Feedback von vielen beim Rausgehen war, dass sie es einen prima Abend fanden. Und doch: Ich hätte den Saal gern so RICHTIG gerockt – ein gewisses Gefühl der Unvollendung bleibt. Vielleicht fällt mir ja noch mal ein Plan B für so einen Fall ein. Ist aber schwierig, weil das Programm ja in seinem Ablauf ziemlich fest steht. Oder aber ich muss einfach akzeptieren, dass nicht jedes „Ja!“-Konzert megamäßig abgefeiert wird. Denn, wie eine Zuschauerin mir hinterher sagte: In einer Gegend, in der in Restaurants das (wenn überhaupt vorhandene) einzige vegetarische Gericht aus Dosengemüse mit Fertigkartoffelbrei besteht und der öffentlicher Personennahverkehr ungefähr so gut ausgebaut ist wie in der Antarktis, stößt das Angebot, mal Insekten zu probieren oder auf das Auto zu verzichten, halt nur auf begrenzt viel Gegenliebe…


Ach ja, am nächsten Morgen musste ich zurück zur Bahn – ein Mal 2 Kilometer den Berg hoch, biddescheeen. Na, da hatte ich aber auch meinen Frühsport absolviert.