Das war ja mal echt das erste Highlight dieses Herbstes. Am Samstag und Sonntag habe ich bei der Eröffnung des Windparks “Blaues Eck” der Firma Luftstrom im Kreis Vogelsberg (bei Fulda) gespielt. Samstag bei der Dankesfeier für alle Beteiligten, Sonntag beim Einweihungsfest. Und es ist für mich immer wieder toll, einen kleinen Einblick hinter die Kulissen von Metiers zu bekommen, die ich vorher höchstens von Außen kannte. Allein schon die Gespräche mit Michael Häußer, dem Firmengründer, waren enorm spannend. Wie er vor 15 Jahren aus der Überzeugung heraus anfing, dass es zu Kohle- und Atomstrom doch eine saubere Alternative geben muss. Wie er mittlerweile, gegen viele Widerstände und Vorbehalte, drei Windparks realisiert hat, die auch dauerhaft dem Wohlergehen der Region zugute kommen. Und welche Kräfte hinter den massiven Anti-Windkraftkampagnen stecken.

Denn auch hier war eine Protestkundgebung angekündigt. Die wandte sich zwar vordergründig gegen die Verschandelung der Landschaft durch die Mühlentürme, war aber in Wirklichkeit vor allen Dingen gegen den hessischen Umweltminister Tarek Al-Wazir von den Grünen gerichtet (der dann auch den Schwanz einzog und nicht kam). Die ganze Kampagne wurde federführend von Mitgliedern der hessischen CDU (mit massiver finanzieller Unterstützung durch die großen Stromkonzerne) durchgeführt. Merke: Von der selben CDU, die im Land mit den Grünen koaliert. Und die ihren Koalitionspartner eigentlich gern wieder klein machen will. Schmutziges Geschäft Politik, sag ich da nur. Im Endeffekt regnete es allerdings Sonntag den ganzen Tag, so dass nicht nur das Einweihungsfest im Festzelt stattfinden musste, sondern offensichtlich auch eine Menge der Windkraftgegner das trockene Zuhause vorzogen.

Mir ist übrigens auch weiterhin schleierhaft, wo die Leute denn eigentlich sonst klimaneutralen Strom herbekommen wollen. Aus Zitteraalen? Oder Glühwürmchen? Aber es könnte natürlich auch sein, dass es bei denen zu Hause ganz anders abgeht: „Schatzi, du solltest wirklich mal wieder auf den Hometrainer“ „Mensch, ist das mit meinem Bauchspeck echt so schlimm geworden?“ „Nein, ich brauch Strom für die Sauna“…

Für mich ging jedenfalls gestern ein echter Traum in Erfüllung: Ich durfte auf so eine Mühle rauf. Und zwar klettern. Im Turm. Die Monteursleiter hoch. 150 Meter. Und dann oben in den Maschinenraum. Und auf die Gondel. Wie geil war DAS denn!!!! Okay, dann gab´s Probleme, weil ein Sicherungsgurt fehlte – und dann noch eine Gruppe von Basejumpern (Fallschirmspringern, die von der Gondel sprangen) die Treppe hochkletterte. Und dafür eine EWIGKEIT brauchte. Soll heißen: Ich saß fast 1 1/2 Stunden da oben fest. Und ich hatte einen Mordskohldampf. Aber dadurch konnte ich auch ausgiebig mit den Monteuren schnacken und mal alle Fragen aus erster Hand beantwortet bekommen, die ich jemals zu solchen Anlangen und die Windkraft hatte.